
Seit 2012 führten Marta und Antimo das Restaurant Schweizerbund mit viel Herzblut, Leidenschaft und Bodenständigkeit. Anfangs half noch ihr Sohn im Service mit, später war Antimo selbst der Mann im Gastraum, während Marta in der Küche wirkte. Eine perfekte Aufteilung: Er, der charmante Italiener mit seiner ruhigen Art, immer für einen Schwatz zu haben, mit seinem unverwechselbaren italienisch-schweizerischen Dialekt. Sie, die gute Seele hinter den Kulissen: fleissig, pflichtbewusst und eine sensationelle Köchin, deren Gerichte weit über das Quartier hinaus geschätzt wurden.
Wer den Schweizerbund kannte, wusste: Hier ging niemand hungrig nach Hause. Ob Znüni, Zmittag oder Znacht, gekocht wurde ehrlich, grosszügig und mit viel Geschmack. Besonders der «Hot Stone» wurde zum Renner. Das Fleisch kam direkt von der benachbarten Pferdemetzgerei Baumgartner und war weit herum bekannt. Viele Gäste schwärmten vom zarten Pferdefleisch auf dem heissen Stein, von den hausgemachten Saucen und den fairen Preisen. Andere beschrieben den Schweizerbund als perfekte Büezer-Beiz: unkompliziert, authentisch und einfach richtig gut. Von aussen vielleicht etwas unscheinbar, innen ziemlich rustikal, aber immer voller Wärme und Gastfreundschaft.
Vor allem die vielen Stammgäste bedeuteten Marta und Antimo viel. «Es war eine wunderschöne Zeit mit vielen lieben Gästen», sagen sie dankbar. Und weiter: «Die vielen Stammgäste sind ein grosses Kompliment für uns.» Tatsächlich war der Schweizerbund für viele weit mehr als ein Restaurant. Hier traf man sich nach Feierabend auf ein Bier, ass mit Freunden oder feierte Familienanlässe. Antimo brachte dabei stets ein Stück italianità in den Gastraum.
Auch schwierige Zeiten blieben nicht aus. Besonders Corona habe Spuren hinterlassen, erzählen die beiden. «Es gab die Zeit vor Corona und die Zeit nach Corona.» Vieles habe sich verändert, manche Gewohnheiten seien verloren gegangen. Trotzdem hielten Marta und Antimo mit grossem Einsatz und viel Leidenschaft an ihrem Restaurant fest.
Nun freuen sie sich auf ihren neuen Lebensabschnitt. «Wir freuen uns darauf, nicht immer auf die Uhr schauen zu müssen», sagen sie mit einem Lächeln. Mehr Zeit für die Familie, mehr Ruhe und trotzdem bleibt die Verbindung zum Quartier bestehen, denn Marta und Antimo wohnen weiterhin hier und bleiben dem Quartier erhalten.
Mit der Schliessung Ende Mai verschwindet nicht nur ein Restaurant. Es verschwindet ein Stück Quartiergeschichte. Zum Abschied richten Marta und Antimo noch ein paar Worte an ihre Gäste: «Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Gast und wünschen allen gute Gesundheit.» Und das Quartier darf wohl ehrlich zurücksagen: Danke für unzählige feine Essen, viele herzliche Begegnungen und eine Beiz, wie man sie heute nur noch selten findet. Grazie e arrivederci, Marta e Antimo!